Nha Trang, Vietnam, 78. Tag

8. September 2011
Der Strand in Nha Trang, Vietnam
Der Strand in Nha Trang, Vietnam

Der Strand in Nha Trang, Vietnam

Das größte Seebad Vietnams begrüßt uns mit türkisblauem Wasser und bunten Häuschen bei strahlendem Sonnenschein. Schon vom Deck aus erkennt man, dass dies eine Touristenhochburg ist. Vor uns führt eine Seilbahn quer über die Bucht hin zu einer vorgelagerten Insel, auf der sich ein großes Hotel angesiedelt hat. Doch nicht nur wegen der zahlreichen Hotels, sondern vor allem auch wegen der Sauberkeit macht Nha Trang einen Eindruck wie aus dem Urlaubskatalog. Die Hauptstadt der Provinz Khanh Hoa putzt sich heraus für die Besucher, die aus ganz Vietnam und dem Ausland hierher zur Erholung kommen. Als wir durch die Stadt fahren sehen wir, dass die bunten Fassaden frisch gestrichen sind und selbst die Mittelstreifenbegrünung exakt geschnitten ist. An den Straßen liegt nicht so viel Müll, wie wir es in den anderen Städten des Landes gesehen haben. Hier sieht man zusammengebundene Plastikbeutel auf dem Gehweg liegen. Über der Hauptstraße hängen Kabel mit Lämpchen, die die Stadt abends in ein funkelndes Lichtermeer tauchen. Gewohnt sind wir schon, dass im quirligen Gewimmel immer Motorroller kreuz und quer fahren – häufig schwer bepackt. Ein Roller-Fahrer, den wir im Bus überholen, hat zwölf Plastikstühle geladen. Unsere Busbegleitung Huang meint dazu: „Alles, was nicht verboten ist, machen wir.“ Sie spricht übrigens sehr gut Deutsch, weil sie fünf Jahre lang in Dresden war. Zusammen mit 99 anderen Vietnamesinnen war sie zu DDR-Zeiten nach Dresden gekommen, um für einen Herrenmode-Hersteller zu arbeiten. Nach der Wende konnten sie in Deutschland bleiben oder zurückkehren. Die meisten kehrten zurück, denn sie hatten in der DDR viel gespart, etwa weil sie immer die billigsten Lebensmittel kauften: Heringe und Blutwurst. Also kamen die Vietnamesinnen mit viel Geld nach Hause und kauften der Familie ein Haus.

Das klassische Bild aus Vietnam: die Reisfrauen

Das klassische Bild aus Vietnam: die Reisfrauen

Wir fahren raus aus der Stadt in die ländlichere Region im Süden der Stadt. Hier leben die Menschen zwischen Reisfeldern und Bananengärten. Im Hintergrund türmen sich die Berge auf, eine wunderschöne Szenerie – getrübt von dem Wissen, dass die Berge noch aus dem Krieg mit Dioxin verseucht sind. Die Kinder der Soldaten, die im Vietnamkrieg gekämpft haben, sind oftmals missgebildet. Das sind alles Spätfolgen von Agent Orange, dem Entlaubungsmittel der Amerikaner. Wenn wir jetzt die grünen Reisfelder sehen, erinnert gar nichts mehr daran. Wir sehen Frauen die Reissetzlinge in die gefluteten Felder setzen und Bäuerinnen, die Kräuter ernten. Männer fahren Körbe voller Kokosnüsse mit dem Moped auf den Markt und die ältere Generation sitzt im Schatten vor dem Haus und genießt das Leben. Doch es herrscht nicht nur Sonnenschein. Fließendes Wasser gibt es nicht, die Bewohner versorgen sich mit Brunnen. Das Leben auf dem Land ist hart. Die Bauern versorgen sich selbst und verkaufen auf dem Markt, was übrig bleibt. Doch wenn die Ernte schlecht war, haben sie nicht genug zu Essen. Die Lebensmittelpreise in Vietnam sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, hinzu kommt die steigende Inflation. Dennoch verlieren die Menschen nicht ihre Lebensfreude. Immerhin haben alle Häuser Elektrizität – und natürlich einen Fernseher.


Entlang der Straßen liegen Stroh und Binsen zum Trocknen aus. Binsen nutzt man, geschickt zusammengebunden, als Besen. Erstaunt begrüßen die Einheimischen uns, als wir im großen Reisebus vorbeifahren. Die Menschen, die an kleinen Ständen Baguettes verkaufen oder vor ihren Häuser Karten spielen, winken uns freudig zu. In dieser Region gibt es auffällig viele Baguettes. Das ist besonders für eine asiatische Region, weil viele Asiaten sich am harten Gebäck den Gaumen wund beißen würden – und brötchenartige Dinge daher verschmähen. Aber weil Vietnam einst unter französischer Besatzung war, hat sich das Baguette bis heute gehalten. Die kleine Bäckerei, die wir sehen, verarbeitet bis zu 100 Kilogramm Mehl täglich. Baguette essen Vietnamesen mit Spiegelei oder zur Suppe. Man spürt die Gastfreundlichkeit der Menschen hier. Überall in Vietnam haben uns die Bewohner stets sehr herzlich begrüßt, wenn sie uns weiße Riesen auch anfangs eher skeptisch beäugen. Vor allem die Kinder sind von Katharinas Haaren immer wieder fasziniert.

Katharinas Logbuch: Auch meine helle Haut findet eine ältere Frau sehr spannend. Sie drückt immer wieder meinen Arm um zu sehen, wie sich meine Haut anfühlt. Besonders faszinieren sie einige Pigmentflecken, weil sie den gleichen Farbton haben wie meine Haut. Die Frau ist sehr erstaunt. Weiße Haut ist hier das Schönheitsideal, denn dunkle Haut haben nur die Bauern. Darum versuchen viele Asiaten, insbesondere die Frauen, sich gegen die Sonne zu schützen – etwa mit langen Handschuhen und insbesondere mit den Arzt-Mundschützern, die seit SARS getragen wurden – und heutzutage den Sprung in die Modehäuser geschafft haben. Nun gibt es die Schützer in Stoff, Leder und das alles mit bunten Mustern.

... und wieder zurück im städtischen Treiben

... und wieder zurück im städtischen Treiben

Immer, wenn wir aus dem Bus steigen, kommen sofort Kinder zu uns und möchten und selbst gemalte Bilder verkaufen. Ein anderer Händler hat ebenfalls unseren Bus entdeckt und uns mit dem Moped gefolgt, um uns gedruckte Landschaften zu verkaufen. Auf dem Rückweg sehen wir den wunderschönen Four Seasons Beach. Strohschirme spenden Schatten und das klare Wasser schlägt gegen den Strand. In der Abendstimmung spazieren Pärchen entlang der Promenade oder Familien sitzen im Sand. Sie genießen die Aussicht über das blaue Meer hinüber zu den vorgelagerten Insel am Horizont.

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