Auf geht es in die Karibik, 11. Tag

26. August 2011
Sonne geht in orangefarbener Glut unter

Und schon wieder heißt es: Seetag. Der Tag erscheint unbezwingbar lang, obwohl doch so viel auf dem Tagesprogramm steht. Nach dem Frühstück verquatschen wir uns erstmal bei Kaffee und Cola. Ein erfahrener Seebär erzählt uns, was er schon alles auf den Meeren dieser Welt erlebt hat. Er berichtet von Antarktispassagen, Fahrten um das Horn, von Afrika und Stürmen in der Biscaya. Wir hören gespannt zu, als er von 17 Meter hohen Wellen vor Frankreichs Küste berichtet. „Damals dachten wir, das war’s jetzt. Wir konnten nur noch beten“, erzählt uns der Seefahrer. Es hat wohl geholfen. Uns zeigt es: Man kann nicht sagen, dass man nicht über den Atlantik fährt, um hohen Seegang zu vermeiden. Der Atlantik kann genau so gut auch ganz ruhig sein. Bei zwei weiteren Fahrten nach Madeira hatten wir zum Beispiel jeweils kaum Seegang. Das Mittelmeer kann auch aufbrausend sein. Nur vor der Biscaya, da ist es wohl fast immer wellig, denn von dort hört man am häufigsten Wellen-Geschichten.

Wir sind dankbar für die ruhige See an diesem Tag. Der Chefkoch lädt zum Kochkurs aufs Pooldeck. Er zeigt uns, wie er eine Gazpacho, eine kalte Tomatensuppe, zubereitet. Gemüse, Zwiebeln und Knoblauch klein schneiden, zusammen mit passierten Tomaten in den Mixer und fertig ist die Kaltschale. Aber bitte nicht unachtsam sein, wenn man Gemüse zerkleinert warnt der Maître. Warum zeigt er uns sofort. Ihm fehlt ein Finger.

Der Chefkoch an Bord ist ein ausführender Chefkoch, Executive Chef. Sein Ober-Chef wiederum sitzt in der Schweiz und entscheidet, was auf dem Schiff auf den Tisch kommt. Die Menüs für die gesamte Reise sind durchgeplant und lassen nur wenig Spielraum für die Küchenkünstler an Bord. Nur so können die Mengen der einzelnen Zutaten über einen langen Zeitraum geplant werden. Und es dient auch der Qualitätssicherung. Trotzdem finden wir es schade, dass es den Köchen nur geringen Spielraum lässt.  Die Lebensmittel werden in großen Chargen angeliefert. In welchen Häfen was eingeladen wird, steht meist schon Wochen im Voraus fest. Manche Dinge kommen im Container direkt aus Deutschland in die großen Häfen, wie Butter zum Beispiel. Der Mann, der auf der Astor für den Einkauf und die Lagerung verantwortlich ist, erzählt uns, der Koch würde keineswegs in fernen Ländern exotische Lebensmittel auf dem lokalen Markt kaufen und direkt zubereiten. „Solche Marktromantik gibt es nicht“, so der Manager. Die Mengen, die an Bord verbraucht werden, seien zu groß und die Qualitätskontrolle nicht zu leisten. Was könne der Chefkoch schon machen, wenn er auf dem Markt eine interessante Bananensorte entdeckt und davon sogar die ganze Kiste mitnimmt? Das reicht vielleicht für ein Zehntel der Passagiere für 10 Minuten Restaurantzeit. Uns schmeckt, was serviert wird, und das ist die Hauptsache.

Sonne geht in orangefarbener Glut unter

Der untergehenden Sonne entgegen

Kurz vor Sonnenuntergang sehen wir neben uns endlich etwas anderes als Wasser. Ein Schiff. Es ist das Luxus-Segelschiff Sea Cloud 2, das in einigen Seemeilen Entfernung dahin gleitet. Wir überholen es mit unserer Motorkraft. Maximal machen wir 18 Knoten, was über 30 Kilometer pro Stunde entspricht. Laut Bordmanual sind es übrigens maximal 16 Knoten. Da hat die alte Dame wohl ein wenig Rückenwind. Am Abend feiern wir die nahezu gelungene Atlantik-Überquerung mit einer Poolparty und freuen uns auf die Karibik.


Und jetzt endlich Land in Sicht!

Ein kleiner Tipp übrigens für dieses Blog: Wer links oben im Menü auf „Weltreise“ klickt, findet alle Einträge vom ersten Tag an. Direkt zum allerersten Eintrag geht es hier.

Alle Videos aus 124 Tagen um die Welt findet ihr unter ReiseWorldTV.de

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren