Laem Chabang, der Kreuzfahrt Hafen von Bangkok

9. September 2011
Kreuzfahrt Hafen Bangkok Laem Chabang

Immer noch liegen wir im Containerhafen von Laem Chabang. Um uns herum stapeln sich hunderte bunter Container. Von Cargoschiffen wird die Fracht gelöscht und auf Lkw verladen, die die Ware auf die Zielorte verteilt. Der Hafen von Laem Chabang ist einer der größten Containerhäfen weltweit, ist der doch das Tor zur Millionenmetropole Bangkok und gesamt Nord-Thailand. Wir haben schon viele Containerhäfen gesehen, aber einen so beschäftigten haben wir noch nie erlebt. Den Containerhafen in Hong Kong haben wir nur aus der Vogelperspektive gesehen, konnten daher die Statistik nicht genau nachempfinden. Aber hier erleben wir es hautnah: Fünf Containerschiffe werden gleichzeitig be- oder entladen – und das von jeweils drei Kränen gleichzeitig. Als wir am Tag zuvor spät abends von Bangkok zurückgekehrt waren, hatten sich die Lkw mit Container schon im Hafen gestaut. Jetzt wissen wir, warum. Wir beobachten mit Interesse, mit welcher Schnelligkeit sich die Containerschiffe füllen – ein weiterer Beweis für die wirtschaftliche Dynamik dieser Region.

Kreuzfahrt Hafen Bangkok Laem Chabang

An diesem Tag beginnt ein neuer Teilabschnitt unserer Reise. Knapp 200 Passagiere verlassen die MS Astor in Laem Chabang. Viele bekannte Gesichter gehen zum letzten Mal die Gangway hinunter, darunter einige, die seit Nizza an Bord waren. Auch wir werden einige Mitreisende vermissen. Besonders unseren geschätzten Lektor Eckhard Siegel, der uns seit knapp drei Monaten stets mit Informationen zu unseren Zielen versorgt hat. Der Mann kennt die ganze Welt wie seine Westentasche. Im Gepäck hatte er stets die richtigen Dias, um uns in seinen Vorträgen an Seetagen auf die nächsten Häfen und Länder einzustimmen. Es war seine Stimme, die wir über die Außensprechanlagen hörten, wenn wir in einen neuen Hafen eingelaufen sind. Auch an Land hat er stets seinen immensen Wissensschatz mit uns geteilt. So hat er als erfahrener Reiseleiter bei Ausflügen so oft wertvolle Informationen gegeben, Zusammenhänge erklärt oder Anekdoten erzählt, die uns fremde Kulturen und andere Sitten leichter zugänglich gemacht haben. Wir werden unseren Ecki vermissen. Heute stehen wir auf dem Bootsdeck und winken ihm ein letztes Mal zu, als er mit seinem Dia-Koffer im Hafengebäude verschwindet. Aber es soll ein neuer Lektor an Bord kommen. Wir sind gespannt, ob er uns ebenso überzeugen kann. Eines steht fest. Er tritt ein anspruchsvolles Erbe an.

Kreuzfahrt Hafen Bangkok Laem Chabang

Außer dem neuen Lektor kommen knapp über 100 neue Passagiere auf die Astor. Das bedeutet, dass der nächste Reiseabschnitt entspannter sein wird, weil es nicht so voll sein wird. 100 Menschen weniger bedeuten ruhigere Atmosphäre in den Restaurants, mehr freie Liegestühle, weniger Köpfe im Theatersaal. Viele von den zugestiegenen bleiben sogar bis Venedig an Bord und ersparen sich so einen langen Flug. Unter den neuen Gästen entdecken wir auch alte Bekannte. Mitreisende von der ersten Teilstrecke Nizza bis Acapulco sind nun, zwei Monate später, wieder hier. Man kennt sich eben auf der Astor.

Was wir nicht sehen von Thailand ist eines der größten Probleme und einer der größten Wirtschaftsfaktoren: die Prostitution. Mitreisender und Crewmitglieder, die am Tag und abends/nachts in den Vierteln mit Nachtvierteln unterwegs waren, berichten nicht nur von vielen Bars und Diskotheken, sondern auch von offensichtlich riesigen Rotlichtvierteln – in Bangkok, dem Touristenort Pattaya (gut 25 Kilometer von Laem Chabang) und dem kleinen Ort von Laem Chabang selbst. Wenn man bei uns zu Hause das Stichwort Thailand gibt, fällt jedem neben tollen Stränden sofort ein: Prostitution, Sextourismus. Und es stimmt, es ist sogar viel schlimmer, als man annehmen mag. Der Umsatz mit der Prostitution in Thailand beträgt 27 Milliarden Dollar pro Jahr, das macht 14 Prozent des Bruttoinlandproduktes aus – und 28 Prozent der Einkommens in Nordthailand werden von den Frauen erwirtschaftet, die in den Städten Prostitution betreiben – darunter häufig unter Zwang. Und noch ein paar erschreckende Zahlen: In Thailand gibt es schätzungsweise 1,5 Millionen Prostituierte, und darauf kommen 4,6 Millionen thailändische Freier, 1 Millionen Malaysier, dann Freier aus den USA, England, und Deutschland.

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